Verlauf eines entzündlichen Prozesses im Zehenbereich einer Hinterpfote
Evtl. ging hier eine kleine Verletzung voraus, es handelt sich nicht um die typische Stelle eines "BumbleFoots", dennoch kann es auf das Gleiche hinauslaufen.
Es geht hier um einen 35 Monate alten Kastraten, der aber körperlich und geistig noch super fit war.
Das Gewebe wucherte sehr schnell, weshalb wir uns zu einer OP (Teilamputation) entschieden haben. Eine antibiotische Behandlung erfolgte seit dem 1.Tag ohne Pause
bis 4 Wochen nach seiner OP.  Salbe und Verband sind sein stetiger Begleiter, was er ihn nicht stört. Der amputierte Teil wurde zur Untersuchung eingeschickt (Befund und Infos weiter unten).
Er hatte keinerlei Anzeichen vor der OP von Unwohlsein oder Lahmheit. Auch war nie Eiter zu sehen (oder riechen). Die Infrarotbilder zeigen, dass das Gewebe nicht warm war.

Hier der Verlauf vor der OP:
    
                                     von der Seite:   nach 5 Tagen                                                                        von der Seite:         nach 12 Tagen

  
                            von der Seite:         nach 15 Tagen                                                                                                    Infrarotbild

     
                                    von oben:    nach 12 Tagen                                                                            von oben:     nach 14 Tagen                                                                                                Infrarotbild
                                                                                                                                                                                                                                                                          
     
                           von  unten:    nach 5 Tagen                                                                                   von  unten:     nach 12 Tagen                                                                                               
                                                                                             
                         
                                   von  unten:     nach 16 Tagen                                                                               Infrarotbild 


So sah es nach 30 Tagen nach der 1.OP aus:

Leider wucherte das Gewebe plözlich wieder schnell und stark.
Hier Fotos, die innerhalb einer Woche von flacher ausheilender OP-Haut zu einem "Ballon"...man mag es fast nicht glauben.

Keinen Schock bekommen, er hatte keine Schmerzen damit. Da er hier 37 Monate alt war, und das Gewebe extrem schnell wucherte, ging es hier um wenige Tage,
bis man ihn deswegen hätte einschläfern müssen.
Aber er war so fit in seinem Alter, deswegen wurde er ein 2.* operiert.

2.OP (Foto direkt nach der OP, alles noch geschwollen).Er trägt ab hier fast täglich einen Verband mit Salbe.
Der Verband+Lotagen ist hier besonders wichtig, da sich das Gewebe sofort wieder "rundherum ausbreiten" würde.
Die Behandlung fibröser Granulome ist schwierig. Eine chirurgische Versorgung bringt wegen der schlechten Heilungstendenz im Ballenbereich nicht immer den gewünschten Erfolg.
Werden die Granulome herausgeschält, sollte auch hier die nach-folgende Wundbehandlung und Heilung durch Pfotenverbände unterstützt werden.
Die Prognose bei Ballenabszessen variiert von vorsichtig, bis ungünstig , da im Ballenbereich eine sehr schlechte Heilungstendenz besteht ; dies gilt insbe-sondere,
wenn es bereits zu einer ausgeprägten Schwellung des Ballens gekommen ist .
[http://d-nb.info/1000039900/34)

Der Zitzenverband sitzt nicht stramm, kann nichts abschnüren, auch nicht, wenn er daran knabbern und zerren würde.
Vorteil von diesem Zitzenverband: man kann ihn mit einer Hand anbringen. (Fotos hier)
Er toleriert ihn sehr gut....bisher hat er durch die 2 OPs 4 Monate gewonnen und ist jetzt 39 Monate alt und noch gut drauf.

Im Alter von fast 42 Monaten ist er in seinem Haus eingeschlafen.
Der Fuß war seit der OP in einem guten Zustand, keine Gewebewucherungen mehr; Entzündungenwaren nie aufgetreten, trotz OP und z.T. offener Wunde. Ich war völlig zufrieden.

Befund vom Resektionspräparat der Zehe mit fest anhaftender, gebogener Kralle (1.OP):
chronische, tiefgreifende, fibrosierende Pododermatitis mit Osteomylitis und Synovialitis, kein Hinweis auf einen Tumor

Um was es sich beim "Gewebeballon" handelte, habe ich nicht untersuchen lassen. Wäre evtl interessant gewesen, ob das Gewebe tumorös entartet war.


Infos über Pododermatitis, Osteomylitis und Synovialitis
Im Anfangsstadium einer Pododermatitis, mit beginnenden entzündlichen Veränderungen, sind in der Regel keine Lahmheiten vorhanden. Die Hyperplasie der Epidermis kann zu kleinen
Erosionen beitragen, die im weiteren Verlauf bis in die Dermis fortschreiten und so in eine Ulzeration mit nekrotischer Epidermis und Dermis übergehen. Die entstandenen Krater einer ulzerativen
Pododermatitis werden durch eosinophile fibrinopurulente Massen ausgefüllt. Dieses Koagulum aus degenerierten Granulozyten, Blut, Fibrin und Bakterienkolonien wird im Randbereich durch
thrombosierte Blutgefäße und Riesenzellen abgegrenzt.
Eine aufgeweichte oder vorgeschädigte Haut ermöglicht dann das Eindringen von infektiösen Erregern.
Aufgestiegene, in der Regel von einer Pododermatis ausgegangene, tiefer liegende entzündliche Veränderungen, werden als Ballenabszess oder „bumble foot“ bezeichnet.
Der betroffene Fuß ist hierbei makroskopisch deutlich geschwollen  und ist mit Eiter oder einem festen, bröckeligen nekrotischen Material angefüllt. Diese Entzündung kann weiter
aufsteigen und auf die Sehnenscheiden und Zehengelenke übergehen oder periostale Reaktionen hervorrufen .

Bei der chronischen Form der Pododermatitis bilden sich durch Bindegewebs-proliferation geschwulstartige fibröse Granulome aus.
Die Infektion kann sich in fortgeschrittenen Fällen der Pododermatitis auf Sehnen und Knochen ausdehnen, röntgenologisch lassen sich periostale Reaktionen,
Destruktion des Knochens bzw. eine Oseomyelitis darstellen.

Bakteriell bedingte Osteomyelitis, Synovitis
In der Regel handelt es sich um eine bakterielle Infektion des Knochens. Das Erregerspektrum umfasst eine Reihe unterschiedlicher Bakterien.
Am häufigsten weist man in den Läsionen Staphylococcus aureus und andere Staphylokokken-Spezies nach. Weitere Bakterien, die sporadisch eine Rolle bei der Entstehung von
Osteomyelitiden spielen können, sind Streptokokken, Pseudomonaden, Pasteurellen, Escherichia coli, Ornithobacterium rhinotracheale, Yersinia pseudotuberculosis ..

Eine bakteriell entzündliche Knochenerkrankung wird Osteomyelitis genannt, da sich die entzündlichen Prozesse primär im Markraum abspielen und sich erst sekundär auf die
Knochenmatrix (Ostitis) und das Periost (Periostitis) ausdehnen.
Der Körper reagiert auf die Infektion, indem er versucht, den erkrankten, infizierten Bereich abzuschotten. Um den abgestorbenen Knochen bildet sich eine Art Kapsel aus hartem Material.
Innerhalb dieser leben die Bakterien weiter, unerreichbar für jedes Medikament.
Ein Versagen der Behandlung bei einer chronifizierten Knocheninfektion kann einen bleibenden Funktionsverlust einer Extremität, die Amputation oder sogar den Tod zur Folge haben

Bei der Synovialitis handelt es sich um die Entzündung der Gelenkinnenhaut, die im Rahmen einer Gelenkentzündung auftritt.

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/spindlerb_ss07.pdf
http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000002880/04_litue.pdf?hosts
=
http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000003007/1_Einleitung.pdf?hosts=
http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000001502/5_PDF6.pdf;jsessionid=234609B9445D9B1449E508F7DE27B92E?hosts=
http://d-nb.info/1000039900/34