Stress & Allergie & Magenprobleme
Alter & Herkunft der Ratte: 19 Monate alter Rattenbock aus dem Tierheim

Balios
erste Auffälligkeiten: 
1. sehr gestresst (kann von dem Erlebten kommen, immerhin war er 3* im TH)
2. sehr kleine und wenige Ködel  (Fressverhalten mußte noch beobachtet werden),
   welche auf einen "Störkörper" im Darm oder auch auf weniges Fressen oder auf anderen Ursachen (z.B. Austrocknung im Darm + Ansammlung)
   hindeuten konnten
  
3. eine Hautinfektion an der Schwanzwurzel auf der unteren Seite, die er schon aus dem Tierheim mitgebracht hatte und die unter Antibiose schlimmer wurde
      
zwischendurch hat er auf einen selbsthaftenden Verband so reagiert:  Fotos Hier
  
4. häufiges Niesen (könnte auch Stressbedingt sein)

Tierärtzliche Erstuntersuchung und Behandlung
Sofortige Tierarztvorstellung, nachdem ich ihn aus dem Tierheim geholt habe: gründliches Abtasten und Abhorchen. Lunge war grenzwertig zu beurteilen,
obwohl ich nichts hören konnte. Die Schwanzhautinfektion haben wir erst während der Antibiose bemerkt.

Behandlung
° Antibiotika / Enrofloxacin (sofort 20 Tage)
° Schmerzmittel / Meloxicam (nach der Kastration für 5 Tage)
° Avena/Phosphorus (nach der Kastration für 20 Tage)
° Surolan-Salbe (nach der Kastration für die Hautinfektion)

Verlauf
Er war so gestresst mit sich selber und seiner Umwelt, dass er noch während der Antibiose kastriert wurde. Wir hofften, dass wir ihn, falls auch die Hormone
daran beteiligt waren, schneller aus diesem für ihn nicht tragbaren Zustand rausbekommen würde.
Nach der Kastration, während er immer noch unter Antibiose stand, habe ich erst die deutlicher werdende Hautinfektion an der Schwanzwurzel bemerkt. Da ich
aber Fotos von ihm gemacht habe, als er aus dem Tierheim kam, konnte ich erahnen, dass er auch da schon etwas hatte, nur nicht so ausgeprägt.
Die Wundinfektion sah nach einer typischer Pilzinfektion (kreisrund, Rand aussen dunkler) aus und wurde mit Surolan-Salbe behandelt. Nachdem die
Salbenbehandlung zwar eine Verbesserung zeigte, aber ohne Salbe sofort wieder eine Verschlechterung, haben wir uns für ein systemisches Pilzmittel entschieden,
da wir davon ausgegangen sind, dass sein (gestresstes) Immunsystem evtl. nicht alleine damit fertig wurde.
Zusätzlich wurde sein immer noch sehr kleiner Kot untersucht.
° Antimykotikum / ltraconazol
° Kotuntersuchung

Parasitologischer Befund: geringer Gehalt Giardia spp.
Mykologischer Befund: negativ
Bakteriologischer Befund: mäßiger Gehalt Enterokokken

Auch dies schien hier nicht zu helfen. Die Pilzinfektion war auch nur eine Verdachtsdiagnose bzw. die Hautinfektion  schien wieder schlimmer zu werden.
Er bekam für den Juckreiz nun eine cortisonhaltige-(Betamethason) Salbe und danach verschlechtere sich sein Befinden:
° sein Urin hatte schon immer merwürdig gerochen, wurde zwischendurch beim TA mit einem Teststäbchen kontrolliert (aber leider nur bestimmte Felder, war
   keine Glukose dabei), jedoch roch der Urin jetzt sehr stark faulig (und mit faulig meine ich faulig).
° er setzte beim Laufen immer häufiger seinen Hinterkörper auf
° wirkte vom Kopf her müder
° ein paar Tage später war er nicht mehr so "laufsicher"

Tierärtzliche Untersuchung
Röntgenbild
Blutuntersuchung auf 6 Werte
Urinuntersuchung

Blut:
Harnstoff 28,8 mg/dl      (Normwert 15-21 mg/dl)
Kreatinin <0,5 mg/dl      (Normwert 0,2-0,8 mg/dl)
GPT 601 U/l                  (Normwert 17,5-30 U/l)
Bilirubin <0,5 mg/dl        (Normwert 0,2-0,5 mg/dl)
Glukose 469 mg/dl         (Normwerte ohne Stresseinflüsse bis 135 mg/dl, ansonsten siehe weiter unten)
Hämoglobin 17,1 mg/dl  (Normwert 11-18,9 g/dl)

Urin:
Glukose positiv  (max.Wert)
Blut positiv  (max. Wert)

1. Die beiden wichtigen Kontrollwerte Harnstoff und Kreatinin für die Nierenfunktion sind unauffällig.

2. Dafür ist der Blutzucker sehr stark erhöht.
Ein hoher Blutzuckerspiegel führt zu häufigen Infektionen (Abszesse, Furunkel, Pilzinfektionen).
Langfristig schädigt der erhöhte Blutzucker verschiedene Organe (Netzhaut des Auges, Niere, Nerven, Beindurchblutungsstörungen).
Dieser Zuckerwert würde einiges erklären, jedoch wissen wir jetzt nicht, ob es sich hier wirklich um einen "echten" erhöhten Blutzucker handelt,
denn hoher Blutzucker kann z.B. in Stresssituationen auch ohne Diabetes auftreten. Unter Stresssituationen wie schweren Infektion, Verletzung, Operation
starke Schmerzen oder anderen Belastungen (wie z.B. beim Tierarzt) kann der Blutzuckerspiegel beträchtlich erhöht sein. Unter solchen Umständen darf
man den Blutzuckerwert nicht zur Diagnose eines Diabetes heranziehen.

Viele Medikamente können den Blutzucker erhöhen. Eher selten wird durch Medikamente ein Diabetes wirklich verursacht. Es kann aber ein bisher noch
nicht auffällig gewordener Diabetes durch das Medikament zu Tage
treten. Zu den in Frage kommenden Medikamenten gehören z.B. manche Blutdruckmittel,
manche harntreibenden
Substanzen (Diuretika), Hormone und hormonähnliche Medikamente (z.B. Cortison), Beta-Sympathomimetika (Asthmamittel,).
http://www.med4you.at/laborbefunde/
Normalwerte Blutzucker:
° "Plasmaglukosespiegel = ~130 mg/dl
° VAN ZUPHTEN: Bei der Ratte besitzen die Standardwerte eine sehr große Schwankungsbeite zw. 134-219 mg/dl, da der Wert
   unter Streßbedingungen auf der 2fache des Normalwertes steigen kann.
° SHARP: faß den Normbereich mit 80-300 mg/dl  noch weiter, ebenfalls mit dem Zusatz, dass die Werte in Abhängigkeit von der
 
Blutentnahmemethode zw. den Labors deutlich variieren können.

Verdacht:  Blutzucker evtl durch den Wirkstoff  Betamethason

3. Der wichtige Kontrollwert GPT für die Leberfunktion ist stark erhöht.
Zu hohe Werte können ihre Ursache z.B. in Erkrankungen der Leber, der Schilddrüse oder der Bauchspeicheldrüse haben.
Das Enzym kommt vorwiegend in der Leber, im Herz und im Muskel vor. Man bestimmt die Aktivität dieser Enzyme im Blut, um Schädigungen der Leber
zu erkennen und zu beobachten Extreme Erhöhungen kommen z.B. bei akuter Leberentzündung vor, können aber auch bei Vergiftungen und Blutunterversorgung
der Leber vorkommen.

Verdacht:  hoher Leberwert evtl durch den Wirkstoff  ltraconazol

Da wir zwar nun erste Hinweise haben, aber die nicht eindeutig auf eine Ursache hinweisen, warten wir 2-3 Tage ab, in denen er nur ein homöop. Mittel zur
Leberentgiftung bekommt und sonst keine weiteren Medikamente, auch kein Insulin, da wir eben den hohen Blutzucker noch nicht zuordnen können, ob er nicht
von z.B. der cortisonhaltigen Salbe kommt. Wenn der Wert nach dieser Frist immer noch erhöht ist, muß mit Insulin behandelt werden, um Folgeschäden, wenn
diese nicht schon vorhanden sind, zu vermindern.
Mit anderen Worten, wir wissen nicht wirklich, wo momentan die Ursache oder Ursachen liegen. Es könnte tatsächlich eine Zuckererkrankung die ganze Zeit
vorhanden gewesen sein, es könnte aber auch eine Lebererkrankungen bestehen....aber beides wäre eben auch durch die Medikamente zu erklären.

weiterer Verlauf bzw. Beobachtungen nach der Blutuntersuchung
Bestimmung des Urinzuckers mit Teststäbchen (wieder Urin auf der Haut und als Vergleich Wasser auf der Haut).
1.Tag: 1000mg/dl morgens, mittags und abends  -  Blut jedesmal positiv
    normalerweise würde ich hier auf eine Insulinbehandlung bestehen, wenn Balios im Kopf nicht klarer geworden wäre; dies war aber der Fall
2.Tag: 1000mg/dl morgens + mittags, 300-1000mg/dl abends  -  Blut jedesmal positiv
3.Tag: keine Urinzucker morgens und mittag nachweisbar  -  Blut aber immer noch positiv
   Blutzucker beim TA (Punktion der Schwanzwurzel) = 161 mg/dl
FAZIT: hier war die cortisonhaltige Salbe der Auslöser der hohen Zuckerwerten ! (siehe Faramir und Voren)

 
      oberer Pfeil = Glucose /  unterer Pfeil = Blut

Nun warten wir ab, ob sich die Leberwerte auch normalisieren.
Woher das Blut (Urin aber immer klar) kommt, ist bisher ungeklärt. Nun habe ich beobachten können, dass Blut häufig vorkommen kann, wenn Glucose beteiligt ist.
Zusätzlich bekommt er Zylexis (Immunmodulator - Ovines Parapoxvirus), um sein Immunsystem zu unterstützen.
Und hier kann man ihn sehen, wie es ihm 1 Tag nach Normalisierung des Zuckerwertes geht :-) Video

Für seine Kotansammlung (laut Röntgenbefund) bekommt er nun einige Tage Paraffinöl, was auch sofortige Wirkung zeigt .
 
                       normale Größe
Jedoch war nach Absetzen vom Paraffinöl die Menge seines Kotabsatzes wieder vermindert und der Kot sehr klein und trocken.
Paraffinöl wollte ich nicht als Dauertherapie geben und er bekam 5 Tage MCP-Tropfen (Wirkstoff
Metoclopramid; Metoclopramid
ist bei Magenentleerungsstörungen wirksam). MCP haben sehr gut geholfen, der ganze Stoffwechsel von Balios schien in Gang zu
kommen. MCP sollte man nicht länger geben (Nebenwirkungen bei Tieren) und auch hier verschlechterte sich sofort sein Kotabsatz.
MCP mußte weiter gegeben werden.

Sein ganzer Verlauf sah einer myotonen Muskeldystrophie ähnlich, eine Multisystemerkrankung, die Muskulatur, Gehirn, Herz, Augen,
Gastrointestinaltrakt und endokrine Organe betreffen kann.


Obduktion

° Fibrose der Herzmuskulatur, besonders linke Kammerwand und Septum
° Gefügedissoziation im Myokard
° Kongestion in Meningen und Gehirn
° Gefäßwandverkalkungen u.a. in Lungenarterien
° bakterielle, eitrige Bronchitis