Hormonelle Engleisung durch Hypophyse?



Alter 18 Monate
- Zitzen schauten deutlich hervor
- kratze sich häufig unterm Bauch
- 2 Mammatumore an einer Milchleiste, wurden operativ entfernt (deutlicher Milchfluß)

Ca. 2 Monate nach der Tumor-OP
Verhaltensauffälligkeit:
- stelziger Gang,
- birnenförmiger Bauch,
- Polyurie,
- hängende Ohren,
- rechtes Auge wurde herausgedrückt,
- zeigte Unwohlsein und wirkte nervös.
Ich hatte das Gefühl, dass hier mehrere Ursachen vorhanden waren, die jedoch sehr wahrscheinlich alle zusammenspielten, was sich nach der Obduktion auch bestätigte.
Sie wurde daraufhin geröngt.




Aufgrund des Röntgenbefundes wurde sie schnellstens operiert, da Veränderungen der Geschlechtsorgane zu vermuten waren.
OP-Kastration: beide Ovarien waren voller Zysten und "verdickt" (eine größere Nr.2)
       eine "Verkaspelung" an einem Gebärmutterhorn (mit Eiter gefüllt  Nr.1)

BITTE BEACHTEN:
starke Schmerzen nach so einer OP sind definitiv vorhanden!! und müssen mit starken Schmerzmitteln behandelt werden, wie Novalgin.
Diese Schmerzsymptome sind gut sichtbar und eindeutig.
Es handelt sich hier um viszeralem Schmerz. Hier helfen nicht alle Schmerzmittel, z.B. bleibt Meloxicam wirkungslos.

 
1995 untersuchten GIAMBERARDINO et al. die Verhaltensmanifestationen von viszeralem Schmerz.
Nach der Operation zeigten 98% der Ratten in den ersten drei Tagen nach der OP Haltungs- und Verhaltensänderunge in Form
- einer Aufwölbung des Rückens
- Lecken des Unterbauches und/oder der Flanke
- Strecken des Körpers
- Andrücken des Bauches an den Boden oder auch Rückenlage, verbunden mit dem Andrücken einer Hintergliedmaße gegen das Abdomen
- wiederholte Kontraktionswellen der Flankenmuskulatur, assoziiert mit einer Einwertsdrehung der Hintergliedmaße
Diese Verhaltensweisen konnten GONZALES et al. (2000) bei der weiblichen Ratte nach Ovariohysterektomie über einen Zeitraum  feststellen
Quelle: http://edoc.ub.uni-muenchen.de/archive/00002414/01/Okorn_Sabine_S.pdf

4 Monate nach der Kastration
- rechtes Auge wurde herausgedrückt
- deutliches fressen von Papier, nicht nur anknabbern
- es wurde in Holz, Kalksteine, Papier spontan häufig reingebissen
- das Becken war herabgesetzt beim Laufen

Verdacht auf Schmerzen im Kopf- und Bauchbereich, worauf sie sofort einschläfert wurde.

Obduktionsbefund
zystisches Hypophysenadenom
geringgradige Laryngitis
interstitielle Pneumonie mit BALT-Hyperplasie; kulturell kein Keimgehalt nachweisbar
Herzfibrose geringgradig mit Verlust von Herzmuskelfasern
geringgradige Hämosiderose der Milz
kaudales Rückenmark, myelinophagen und sphäroide


                                                
       

Zystische Veränderungen der Eierstöcke kommen häufig vor. Es muss davon ausgegangen werden, dass, wie auch bei anderen Tierarten, hormonelle Dysregulationen
(unzureichende Ausschüttung von LH durch die Adenohypophyse) für dieses Geschehen verantwortlich sind.

Die Wand der Ovarialzysten besteht aus Bindegewebe, der Zysteninhalt ist meist klar und kann sowohl farblos als auch leicht blutig sein. Die Zysten enthalten in unterschiedlichem Maß
Östrogene und Progesteron. Als Folge der Zystenbildung kann es zur Atrophie der Ovarien kommen. Durch die anhaltend hohen Hormonspiegel sind weitere Folgen möglich, wie Sterilität,
hypersexuelles Verhalten, Gebärmutterveränderungen (endometriale Hyperplasie, Neoplasie), Knochenmarksuppressionen und Alopezie.

Aus klinischer Sicht können unterschiedliche Arten von Zysten vorkommen, die auch mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen:
- Große, hormonell inaktive Zysten führen zu einer Verdrängung anderer Bauchhöhlenorgane, besonders des Darmtrakts. Es resultieren Verdauungsstörungen durch Behinderung der
Darmpassage sowie Abmagerung  durch Einschränkung der Futteraufnahmekapazität. Die Ratten fressen zwar kontinuierlich, sind aber dennoch nicht in der Lage ausreichende
Futtermengen aufzunehmen. Solche Tiere haben ein umfangsvermehrtes, birnenförmiges Abdomen. Anhand der vorstehenden Wirbelsäule wird jedoch der Grad der Abmagerung deutlich
Durch Organverdrängung kann es außerdem zu einem verstärkten Druck auf das Zwerchfell kommen, sodass die Atemfunktion beeinträchtigt ist.
- Kleine, hormonell aktive Zysten führen über anhaltend hohe Östrogenspiegel zu Alopezie  und Suppression des Knochenmarks. Bei solchen Tieren ist zudem gehäuft ein
hypersexuelles Verhalten zu beobachten.
- Große Zysten, die zudem eine hohe hormonelle Aktivität aufweisen, vereinen beide oben beschriebene Symptomkomplexe.
Autor(en): A. Ewringmann, B. Glöckner